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MATTERSBURGER KREIS (Hg.)

Journal für Entwicklungspolitik 4/2012
Post-Development: empirische Befunde

Der Post-Development Ansatz beinhaltet eine grundlegende Ablehnung von Konzept und Praxis der Entwicklung und postuliert, die "Entwicklungsära" sei zu Ende, es sei Zeit, sich um "Alternativen zur Entwicklung" Gedanken zu machen. Post-Development-AutorInnen postulieren, das Konzept der "Entwicklung" sei eurozentrisch, entpolitisierend und autoritär und die damit verknüpfte Praxis in Form von "Entwicklungsprojekten" und -programmen habe für die Mehrheit der Betroffenen nicht zu einem besseren Leben geführt. Besonders interessant ist jedoch die These, dass sich aufgrund dieses (angeblichen) "Scheiterns der Entwicklung" in sozialen Bewegungen, Graswurzelorganisationen und lokalen Gemeinschaften im Globalen Süden "Alternativen zur Entwicklung" herausbilden würden: alternative gesellschaftliche Leitbilder jenseits der westlichen "Entwicklung", alternative politische Praktiken jenseits von Staat und Parteien, alternative ökonomische Praktiken jenseits von Weltmarkt und Konkurrenzprinzip sowie alternative Formen des Wissens jenseits der westlichen Wissenschaft.
In der entwicklungstheoretischen Debatte ist diese These oft als Projektion des Nordens zurückgewiesen worden: Die Bestrebungen und Kämpfe sozialer Bewegungen im globalen Süden hätten keineswegs "Alternativen zur Entwicklung", sondern "Zugang zur Entwicklung" als Ziel. Es gehe ihnen meist um genau jene Errungenschaften der Moderne, die im Post-Development als "westlich" abgelehnt oder zumindest skeptisch betrachtet würden: um die Etablierung liberaler, industrialisierter, säkularer und aufgeklärter Gesellschaften nach westeuropäischem oder nord­amerikanischem Vorbild. Das JEP-Schwerpunktheft "Post-Development: empirische Befunde" möchte die Thesen des Post-Development und seiner KritikerInnen am konkreten Beispiel diskutieren.